AGILE COACHING

Agilität: Vergänglicher Modebegriff oder Megatrend?

Der Begriff Agilität ist spätestens seit Corona in aller Munde. Der inflationäre Gebrauch hat zu einer ziemlich heftigen Abnutzung des Terminus geführt, denn plötzlich gehört es zum guten Ton, dass Unternehmen ihre Agilität preisen, und wer en vogue sein möchte, schmückt sich gerne mit Stärken aus der agilen Welt. 

 

Dies hat aus meiner Sicht gleich zwei Nachteile: 1) Der empfundene Agilitätsdruck führt vielfach zu blindem Aktionismus. Man trifft sich jeden Morgen zum Plausch, und schon ist der Haken beim Thema Agilität gesetzt. Von agilem Mindset, also dem Kernelement der Agilität, sind die meisten Unternehmen aber noch meilenweit entfernt. 2) Der Austausch mit Freunden und Bekannten, die plötzlich alle ganz agil unterwegs zu sein scheinen, wobei sich in Wahrheit wenig ändert, suggeriert, dass die Vorzüge der Agilität wohl ziemlich überwertet sein müssen. 

 

Eine Begriffsklärung...

Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die sich nicht nur Agilität auf die Fahnen schreiben, sondern diese auch aus tiefer Überzeugung leben, deutlich besser durch die Pandemie gekommen sind als Organisationen, die mit Agilität nur wenig am Hut haben. Um zu verdeutlichen, welche Vorzüge agile Unternehmen haben, schauen wir uns am besten mal die Abgrenzung zu Unternehmen an, die ihre Projekte klassisch managen: Vereinfach gesagt planen traditionelle Unternehmen ihre Projekte je nach Komplexität für einen Zeithorizont von bis zu einem Jahr. Die beiden primären Erfolgskriterien bei der sog. Waterfall-Methode sind Einhaltung des Zeitplans und des vorgegebenen Budgets. Während der Projektdauer werden oftmals grüne Statusmeldungen ausgegeben. Ob das Projekt tatsächlich erfolgreich war, zeigt sich aber erst nach Beendigung. Agilität basiert auf der Erkenntnis, dass in einem Jahr extrem viel passieren kann. Die Rahmenbedingungen ändern sich permanent und parallel dazu auch die Zielsetzung. So könnte es passieren, dass wir nach einem Jahr feststellen müssen, dass das ursprüngliche Ziel zwar erreicht wurde, dieses aber nicht mehr zur neuen Lebensrealität passt. Agilität steht für Anpassungsfähigkeit. Ein Ziel bleibt nach wie vor zentral, doch es erfolgt die Setzung von Zwischenzielen. Nach jeder Etappe wird überprüft, ob das Fernziel noch stimmt oder eine Nachjustierung erforderlich ist. Beim Erreichen jedes Etappenziels wird Mehrwert geschaffen. D.h. sowohl das Unternehmen als auch die Kund:innen profitieren schnell und die regelmäßigen Reality-Checks sorgen für einen Abgleich mit den jeweiligen Umständen. Somit liegt auf der Hand, warum agil aufgestellte Unternehmen die Pandemie besser gemeistert haben als solche, die mit herkömmlichen Jahresplänen arbeiten.   

 

Agilität als Megatrend

Vieles spricht dafür, dass das Konzept hinter der Agilität sich weiter etablieren wird, wenngleich der Begriff, der vielfach zum Buzzword geworden ist, in Zukunft vielleicht durch einen anderen ersetzt werden wird. Die Frage, ob sich ein Unternehmen agil aufstellen sollte, ist somit schon quasi beantwortet. Es geht vielmehr darum, sich zügig auf den Weg zu machen, da der Rückstand ansonsten nur schwer oder gar nicht mehr aufzuholen sein wird. 

 

Mein Vorschlag:  

Seit rund 20 Jahren bin ich in der Corporate World unterwegs. Zwei Jahrzehnte, in denen ich viele Projekte leiten, aber auch direkt bzw. indirekt begleiten durfte. In all den Jahren musste ich erkennen, dass die ambitioniertesten Veränderungsvorhaben nicht immer von Erfolg gekrönt sind. So wurde ich zu einem Fan pragmatischer Herangehensweisen, die sich auch im echten Leben umsetzen lassen.